Vorverurteilung durch die Medien

Der Anwalt Guttenbergs griff am Sonntag die Universität Bayreuth scharf an und warf ihr vor, seinen wegen der Plagiatsvorwürfe zurückgetretenen Mandanten vorzuverurteilen. „Obwohl die Kommission der Bayreuther Universität ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen hat, wird über deren angebliche Ergebnisse bereits in der Presse berichtet“, sagte Anwalt Alexander Graf von Kalckreuth in der „Bild am Sonntag“ und fügte hinzu: „Das widerspricht allen Regeln eines ordentlichen Verfahrens und dient der Vorverurteilung meines Mandanten.“

Guttenberg bleibe weiter bei seiner Darstellung, nicht absichtlich abgeschrieben zu haben. Diesen Vorwurf wies die Hochschule zurück. „Es gibt bis heute keine offizielle Stellungnahme der Universität Bayreuth oder der Kommission, in der von einer absichtlichen Täuschung die Rede war“, sagte Uni-Sprecher Frank Schmälzle der Nachrichtenagentur dpa. „Insofern halten wir diese Vorwürfe für verfehlt.“

Die Universität Bayreuth will ihren Bericht notfalls auch gegen den Willen Guttenbergs veröffentlichen. „Wir wollen eine klare Aussage zum wissenschaftlichen Fehlverhalten zu Guttenbergs treffen und das Thema öffentlich aufarbeiten“, sagte Sprecher Schmälzle. Er bestätigte Berichte, dass Guttenbergs Anwälte in einem Brief gebeten hätten, den Untersuchungsbericht nicht zu veröffentlichen. Sie verwiesen darin auf die Persönlichkeitsrechte ihres Mandanten. „Wir haben den Anwälten in einem Schreiben geantwortet und unser Interesse deutlich gemacht, die Öffentlichkeit informiert zu halten“, betonte Schmälzle. Bei seinem Rücktritt hatte Guttenberg noch erklärt, er werde sich nun nach Ende seiner Ministertätigkeit an der Aufklärung der Vorwürfe gegen ihn beteiligen.

Guttenberg hatte stets bestritten, bewusst Texte anderer Autoren übernommen zu haben, ohne dies zu kennzeichnen. Guttenberg habe gegenüber der Kommission eine umfassende Stellungnahme abgegeben, sagte sein Anwalt jetzt. „Sie belegt schlüssig, dass er nicht bewusst getäuscht hat.“ Sein Mandant räume aber „mangelnde Sorgfalt“ ein. Vorwürfe der Uni, Guttenberg wirke an der Aufklärung der Affäre anders als versprochen nicht voll mit, bezeichnete der Anwalt als „haltlos“.

Laut Anwalt steht noch nicht fest, ob Guttenberg einer Veröffentlichung des Berichts zustimmen wird. „Ich verweise darauf, dass parallel strafrechtliche Ermittlungen laufen. Auch deren Ergebnis gilt es abzuwarten.“ Uni-Sprecher Schmälzle bestätigte, dass die Anwälte gebeten hatten, den Bericht nicht zu veröffentlichen. Sie verwiesen dabei auf die Persönlichkeitsrechte ihres Mandanten. „Wir haben den Anwälten in einem Schreiben geantwortet und unser Interesse deutlich gemacht, die Öffentlichkeit informiert zu halten“, betonte Schmälzle.

Quelle: FAZ.Net – Guttenbergs Anwalt spricht von „Vorverurteilung“ – 10. April 2011

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