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Bildungsministerin Schavan hatte über Guttenbergs Plagiatsaffäre gesagt, sie schäme sich als Wissenschaftlerin «nicht nur heimlich». Mit dieser öffentlichen Äußerung hatte sie den Rücktritt Guttenbergs beschleunigt, denn damit schwand die Rückdeckung der CDU für den ehemaligen Verteidigungsminister.
Es erscheint wie eine späte Genugtuung für Guttenberg und seine Anhänger, dass Schavan nun das gleiche Schicksal ereilt wie den beliebten Politiker. Es läuft durch alle Medien: Schavan ist in ihrer Doktorarbeit des mehrfachen Plagiats überführt.
„Annette Schavan hat sich in vergleichbaren Fällen schon öffentlich geschämt, da hat die Partei noch Geschlossenheit geübt.“ Deshalb liege die „moralische Messlatte“ für die Wissenschaftsministerin nun besonders hoch. „Darunter kann und darf sie jetzt nicht so einfach hindurch tanzen“, betonte der Landeschef der Jungen Union, Nikolas Löbel.
Auf einer Plattform „Schavanplag“ listet ein Unbekannter angebliche Plagiatsstellen auf über 50 Seiten ihrer gut 350 Seiten starken Dissertation aus dem Jahr 1980 auf. Hauptsächlich werden ihr Mängel und „Verschleierung“ beim Quellennachweis vorgeworfen. Aus Erfahrung werden diese Plags zum Selbstläufer, so dass der Abgang der Berufspolitikerin absehbar wird, zumal sie in der CDU über keine große Unterstützung verfügt und als Fachministerin für Bildung den Anspruch auf Makellosigkeit nicht mehr länger aufrechterhalten kann.
In dieser exponierten Position reichen die bisherigen Vorwürfe bereits aus, um Rücktrittsforderungen zu rechtfertigen. Der Berliner Rechtsprofessor Gerhard Dannemann von der Humboldt-Universität spricht von einem „gravierenden wissenschaftlichen Fehlverhalten“ (Focus). Dannemann ist Mitglied jenes Teams(Vroniplag), das Schavans Dissertation kritisch prüfte.
So fordert die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion Dagmar Ziegler offen den Rücktritt Schavans: „Sollten die Vorwürfe zutreffen, dann ist Frau Schavan als Ministerin, gar als Wissenschaftsministerin nicht zu halten.“ Es ist eine Frage der Zeit, bis sich auch Mitglieder der CDU dieser Auffassung anschließen.
Besitzt Schawan genug Selbstachtung, um den Rücktritt bald zu erklären oder riskiert sie die weitere Schädigung des öffentlichen Ansehens ihrer Person, ihres Amtes und der CDU in diesem wichtigen Wahljahr?






